Ein Tag

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Leben

Während ich im Radio eine Diskussion über die Frauenquote höre und auf Facebook vom Verfehlen der Karriereziele mancher Mütter lese, sah mein Tag bis dato so aus:

Gegen 7 Uhr aufgewacht als mein Mann zur Arbeit wollte. Der Kleine ist kurz nach halb acht munter geworden, ich habe ihn zu mir ins Bett geholt, wo er, während ich noch geschlummert habe, sein Feuerwehrauto über die Hügellandschaft der Bettdecken gekurvt hat. Um acht sind wir aufgestanden, ich habe ihm Kekse in die Hand gedrückt, mich angezogen und geschminkt, derweil er mit seinem Bagger die Duplo-Eisenbahn durchs Kinderzimmer geschoben hat. Dann habe ich ihn gewickelt und angekleidet, was auch nach fast 20 Monaten noch immer wie Kampfsport ist. Anschließend gab es Frühstück, für das wir uns gewöhnlich alle Zeit der Welt lassen. Inzwischen ist es kurz vor neun. Er darf noch ein bisschen spielen, während ich den Küchentisch abräume. Dann folgt der kräftezehrendste Teil des Morgens: Das Kind wetterfest verpacken für die Fahrt auf dem Fahrrad. Zunächst dicken Pulli über den Body, gefütterte Hose über die Strumpfhose inkl. dicker Socken, Halstuch, Winterschuhe, Anorak, Mütze, Helm, einen Extra-Schal gegen den Fahrtwind und leider, leider: Handschuhe. Dieses Prozedere wird für gewöhnlich begleitet durch kindliches Gemecker, Bekunden von Widerwillen durch Weigerung sitzen bzw. stehen zu bleiben, durch lautstarkes Verlangen nach Keksen und ganz allgemeines Weltschmerzwehklagen. Wenn das Kind endlich in seine Eskimo-Montur eingemummelt ist, folgt nicht selten das Signal, jetzt noch mal gewickelt werden zu müssen.

Es ist Viertel nach neun, als wir zu unserer Tour in den Kindergarten aufbrechen; durch den waldigen Park, am Bauernhof vorbei, die Panke entlang und noch ein Stück in den wüsten Wedding hinein. Zum Glück hat der Kleine noch kein einziges Mal geweint, wenn er in den Kindergarten gebracht wurde. Nur wenn er abgeholt wird, macht er Stress, was für den Kindergarten spricht (und hoffentlich nicht gegen seine Eltern…).  Heute bin ich danach mit dem Rad zurück nach Pankow, ein paar Mails beantwortet und dann zu meiner Ärztin, um mich gegen Grippe impfen zu lassen. Anschließend musste ich zur Fahrrad-Werkstatt, um was reparieren zu lassen. Danach zu Fuß nach Hause, bisschen Haushalt, Post, digitale Verpflichtungen, heute nicht: schreiben.

Denen geht es wie uns: Er kümmert sich ums Geld, sie um die Kinder. (Boardwalk Empire)

Denen geht es wie uns: Er kümmert sich ums Geld, sie um die Kinder. (Boardwalk Empire)

Es ist jetzt halb zwei. In zwei Stunden muss ich zurück in den Wedding, diesmal per Bus, um den Kleinen abzuholen. Dazwischen muss ich noch ein paar Besorgungen machen. Eigentlich hätte auch der Kleine heute einen Impftermin, aber da er zur Zeit ständig erkältet ist, will ich ihn nicht noch zusätzlich belasten. Kinderärztin hieße wieder lange Wartezeiten. Dann wären wir gegen 18 Uhr Zuhause. Heute können wir vielleicht noch einen letzten Sonnenfunken im Park erhaschen. Die rasch hereinbrechende Dunkelheit und die Kälte zwingen uns derzeit in die Wohnung, was doof ist, da Kinder Outdoor-Junkies sind. Also irgendwie die Zeit bis 19 Uhr rumkriegen, bis sein Papa nach Hause kommt und das Kleinkind-Entertainment für den Rest des Abends übernimmt. Irgendwann nach acht wird das Kind im Bett liegen und schlafen. Jetzt hätte ich Zeit, meine Karriere voranzutreiben. Aber vorher noch kochen und Abend essen. Und zwei, drei Folgen Boardwalk Empire gucken.