Oh so Sunday!

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Leben

Die Ausgangslage

Der Plan war, gestern mit Zeitschrift und Kaffee langgestreckt auf der Picknickdecke im Garten herumzulungern, während das Kind in unmittelbarer Nähe friedfertig spielt. Der Plan war damals aber auch gewesen, ein Baby zu haben, das friedfertig vor sich hin brabbelnd auf der Kuscheldecke liegt, während man ein Buch liest oder Blogbeiträge über die junge Mutterschaft schreibt. Später war der Plan, mit einem Buch auf der Decke im Park zu liegen, während das schon größere Baby friedfertig das Babyspielzeug bearbeitet. Aus allen Plänen wurde nichts. Damals, weil das Baby nichts mehr gehasst hat, als irgendwo rumzuliegen und gestern, weil irgendwie immer was dazwischen kam.

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Mehrfacher Klamottenwechsel wegen Durchnässung (Gartenschlauch-Massaker bzw. Pipi-Malheur), Hunger, Durst, Rotznase putzen, Hände waschen (klitschnasse Blumenerde, die mit bloßen Kinderhänden in den Kipplaster gehäuft wurde), erneute Klamottenwechsel wegen Wetterumschwüngen von kalt zu warm bis kühl, zwischendurch das sich wehrende Kind mit Sonnencreme einschmieren (insbesondere die beim Basecap freiliegenden Öhrchen) und alles wieder von Vorne. Ich hatte bis dahin keine Zeile gelesen. Das klingt anstrengend, ist es auch, aber insgeheim liebe ich diese Geschäftigkeit, dieses Wuseln ums Kind herum. Der Papa, der den strategisch günstigeren Platz auf der Terrasse inne hatte, blickte ab und an vom Buch auf und schien amüsiert. (Er hatte aber bereits seine dreistündige Vormittagskinderschicht absolviert, in der ich alle Ruhe der Welt hatte). Irgendwann kam Wind auf und trieb die Zapfen von der Kiefer. Ich witterte die Chance, einen Blick in meine Zeitschrift werfen zu können, indem ich dem Kind auftrug, die Kienäpfel mit der Schubkarre einzusammeln. So war der Kleine eine halbe Stunde beschäftigt. Las die Zapfen auf, häufte sie in der Schubkarre zusammen, fuhr damit durch den Garten und lud sie in Blumentöpfe um.

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Ich habe in dieser Zeit keine Zeile gelesen. Viel lieber habe ich das Kind beobachtet bei seinem konzentrierten Spiel. Immer wieder das Erstaunen, wie groß er geworden ist und immer wieder hingerissen, weil noch immer so süß.

Zwischendurch bin ich mit dem Rad los, um Spargel und Erdbeeren zu holen. Nackte Arme und Beine im lauen Fahrtwind, so als sei schon Sommer (und die Frage, wie man eigentlich die kommenden Winter überstehen soll). Später noch einen knapp sechs Kilometer-Lauf im Abendlicht. Ein Tag auf der Haben-Seite.