Steve und die Beleidigten

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Die Wörter und die Dinge

Als ich vorgestern Nacht schlaflos über mein iPhone strich, las ich auf Twitter vom Tod Steve Jobs und war erschrocken, so wie ich es immer bin, wenn derlei Nachrichten eintreffen. Es war damit zu rechnen, aber das Ableben eines Menschen hat doch immer etwas Jähes und jeder Tod stellt zumindest für einen Moment das eigene Leben in Frage.

Es glitten die ersten Trauerbekundungen über die Timeline und natürlich auch die ersten dämlichen Kommentare von den unvermeidlichen Anwärtern auf einen imaginären Coolness-Award. Am nächsten Tag war Steve Jobs logischerweise Top-Thema, was die einen als selbstverständlich hinnahmen, was aber andere schier nicht fassen konnten. Und das hängt mit den hungernden Kindern in Afrika, verlassenen Omas in Altersheimen, dem faschistoiden Weltkonzern Apple und einem unbekannten Nobelpreisträger zusammen.

Ich gehe bewusst gar nicht weiter auf die Tweets der arschcoolen Zyniker ein, die vermutlich aus Gründen der Psychohygiene gar nicht anders können, als misanthropisch doof zu sein. Mir geht es um die Kulturpessimisten, die sich immer beleidigt fühlen, wenn ein Popstar (zumal aus Amerika!) weltweit betrauert wird.

Gregor Keuschnig zum Beispiel retweetete @Quasselette: Bevor ihr alle rumtrauert wegen eines Euch unbekannten Milliardärs, geht lieber mal Eure Oma im Altersheim besuchen. Das ist ungefähr auf einem Niveau mit der Klage über den Hunger in Afrika, die einem immer in den gesättigten Bauch gerammt wird, wenn ein Popkulturprodukt übermäßig Aufmerksamkeit verschlingt. Leuten wie Quasselette möchte ich zurufen: Man kann auch mit iPhone, besser noch iPad, die altersschwache Oma besuchen und ihr auf dem leuchtenden Display Bilder von der Welt zeigen, die ihr sonst abhanden zu kommen droht!

Daneben gibt es die politische Fraktion, die daran verzweifelt, dass so viele dem milliardenschweren Guru einer rücksichtslosen Firma die letzte Ehre erweisen. Was ich mit diesem Tweet beantwortete: An alle Zukurzgekommenen: Nein, Apple ist nicht die Wohlfahrt, aber ihr seid es auch nicht! Zugegeben, dieser Tweet dient ebenso wenig dazu, Niveau und Stimmung der Diskussion zu heben. Aber die Vorstellung, man sei moralisch überlegen, nur weil man kein Milliardär ist, oder ein Milliardär habe es nicht verdient, betrauert zu werden, ist doch irgendwie 10.-Klasse-Che-Guevara-Kreis-Denken.

Dieser Stream führte letztlich dazu, dass ich mich mit Gregor Keuschnig (den ich schätze und schon lange kenne) überwarf, bzw. er sich mit mir, denn wie ich sehe, hat er mich für meine Aufforderung, dass die Bauchspeicheldrüsenkrebs-Komiker einfach ihre pietätlosen Fressen halten sollen, entfolgt. Es hängt wohl damit zusammen, dass er ein aufrechter Vertreter des Guten, Wahren, Schönen ist, ein echter Feingeist, Homme de Lettre und so.

Und die verstehen nicht recht, dass ein Computer auch ein Kulturprodukt ist und ihre Erfinder (bzw. Vermarkter) ebenso am Mythos arbeiten, wie Schriftsteller und andere Künstler. Ich verstehe wiederum nicht, wie man einen Menschen bzw. die Trauer um ihn verächtlich machen kann, der mit seinen Innovationen dafür gesorgt hat, dass Kunst heute mehr denn je konsumierbar ist und produziert wird. Viele vergessen, dass Jobs nicht nur die schicken i-Gerätschaften entwickelt (bzw. vermarktet) hat, sondern (mit Wozniak, klar, vor allem der!) den Heimcomputer für uns alle handhabbar gemacht hat. Und was wären wir Twitterer und Blogger denn ohne diese Artefakte? Einsame Kultur-Rezipienten ohne Publikum vor klappernder Schreibmaschine.

Noch verzweifelter ist nur der von mir geschätzte Sebastian Baumer, der auf seinem Tumblelog arg bedauert, dass alle Welt den iGod beweint, aber kaum einer den diesjährigen Nobelpreisträger bejubelt. Dieses Gegeneinander-Aufwiegen führt doch nur zu Unglück. Vielmehr sollte man sich freuen, dass der schwedische, alte Dichter jetzt noch einen späten Ruhm erfährt, den viele Twitter-Dichter (und es gibt geradezu geniale) vielleicht nie erfahren werden, aber immerhin via moderner Technik womöglich mehr Verbreitung finden als bisher ihr skandinavischer Kollege.

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53 Comments

  1. smoove says

    „Dieses Gegeneinander-Aufwiegen führt doch nur zu Unglück“

    Wo ist das Feld zum Unterschreiben?

  2. Hm. Ich bin mir nicht sicher, ob ich irgendwas gegeneinander aufgewogen habe. Ich habe beschrieben, was gestern passiert ist. Dazwischen auch der Satz, dass ich selbst mit einem iPhone rumhantiere. Was mich nur wahnsinnig nervt, ist die Gleichschaltung der Medien, wenn es um das Gewichten von Themen angeht, eine Gleichschaltung, die inzwischen sogar auch die privaten User mit einschließt. Es ist im Internet, in Blogs und in den Social Media fast so, als gäbe es eine kollektive Zensur, die bestimmt, welche Themen wie wichtig sind und welche behandelt werden. Panoptismus für das Schreiben, wer was anderes denkt, der wird aus irgendeiner Art von „Relevanzbetrachtung“ ausgeschlossen und belächelt. Witzig ist, dass Themen über das Internet immer gehen, dass also der Blogbeitrag von mir sogar noch als „replywürdig“ durchgeht, wohingegen literarische Versuche immer ignoriert werden – da spiegelt diese Diskussion genau dasselbe wieder, was ich versucht habe, darzustellen.

    Und zu Steve Jobs: Ja, ehrlich gesagt ist der mir ein bisschen egal, im Gegensatz zur Literatur des Nobelpreisträgers (dem Werk, nicht der Person). So egal wie der CEO des Gitarrenherstellers, deren Instrument ich kaufe. Ich weiß nicht, ob man Technikgurus anhimmeln darf/muss/sollte, keine Ahnung, vielleicht ja, meine Sache ist es nicht. Ich bete niemals das Medium an sich an oder seine Erfinde, immer nur diejenigen, die großartige Inhalte machen.

  3. Nenn mich den Anti-McLuhan, aber das Medium selbst ist für mich nie die Botschaft :).

  4. Anonymous says

    “ kaum einer den diesjährigen Nobelpreisträger bejubelt. “

    Klassisches straw man „Argument“, muss man eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen…

  5. Ach Gottchen. Da hat man nicht mit der nötigen Ehrfurcht dem heiligen Steve gehuldigt. Mea culpa. Den Grad der religiösen Verklärung, die diesem Mann entgegengebracht wird, schockiert mich derart, dass ich sogar einen SpOn-Artikel empfehlen möchte: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,790325,00.html

    Und ja: Ich hätte natürlich ein bisschen auf die Tränendrüsen drücken können. Ich hätte zum Beispiel schreiben können, wie mein Vater vor fast genau 20 Jahren elendig und mit grossen Schmerzen an seinem Krebs nicht gestorben, sondern fast verreckt ist. Die Schreie aus seinem Schlafzimmer kurz vor seinem Tod höre ich heute noch. Denn es war sein Wunsch, zu Hause zu sterben. Den Wunsch zu erfüllen, war nicht besonders schwierig, denn einen Krankenhaus wollte diesen schwerkranken Mann nicht mehr haben.

    Aber feiert nur Euren „Visionär“, der seine Produkte unter anderem unter Sklavenbedingungen in China fertigen ließ. Das meine ich noch nicht einmal vorwurfsvoll – das ist betriebswirtschaftlich wohl legitim. Von wegen Gewinnmaximierung und so. Für mich ist Jobs ein Unternehmer mit genialem Marketing. Nicht mehr und nicht weniger.

  6. zimtapfel says

    *Like*

    Sehr schöner Artikel!
    Ich hab gestern glaube ich auch zwei oder drei Follower verloren, weil ich einen dieser ganz toll über allem stehenden „Der ideale Zeitpunkt, Social Media für drei, vier Tage zu meiden, beginnt genau jetzt.“-Tweets mit dem Zusatz „Dann tut es doch einfach!“ retweetet habe…:-)
    Von den Bauchspeicheldrüsenkrebs-Komikern sind mir glücklciherweise so direkt keine untergekommen, das hätte mich vermutlich so richtig auf die Barrikaden gebracht, da meine Mama vor zwei Jahren an der gleichen Krankheit verstorben ist wie Mr.Jobs. Da findet man solche Witze komischerweise alles andere als komisch.

    Jedenfalls: sehr schön die Mechanismen, die sich nach einem Promitod auf Twitter abspielen, zusammengefasst! :-)

  7. zimtapfel says

    Ach ja, und was den armen, wegen Herrn Jobs so unbeachteten Literaturnobelpreisträger angeht: Ich hatte von dem bisher noch nie gehört. Von daher – was soll ich ihn jetzt plötzlich beachten… Aber ok, ist wohl Lyriker. Zeitgenössische Lyrik ist halt nicht so meins…

  8. sincerelyjurs says

    Ach, es ist immer dasselbe. Ein prominenter Mensch stirbt und das ganze Internet beginnt zu rauschen. Die Einen trauern öffentlich, finden es schade, äußern sich mehr oder weniger respektvoll. Den Anderen ist der Bohei um diese Person suspekt, sie konnten mit dem Toten nicht viel anfangen und wollen eine öffentliche Gegenstimme bilden, auf dass die laut Trauernden nicht alleine das Bild prägen. Ein paar sind in beiden Lagern darunter, denen es einfach wichtig ist, eine Meinung zu haben und diese laut von sich zu geben.

    Ich war auch erstaunlich betroffen von Steve Jobs‘ Tod. Er war mir sympathisch. Wohl, weil er u.a. leidenschaftlich und intelligent auf mich wirkte und ich im Lauf der Jahre ein paar Keynotes zu viel gesehen habe. Dass er kein Heilsbringer oder Heiliger war, ist klar. Dass man trotzdem völlig zurecht um ihn trauern darf und sich über seine positiven Seiten und Hinterlassenschaften äußern, aber auch.

  9. Anonymous says

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,8355632,00.html?dr=1

    Den Bericht hier sollte man sich auch angucken. Wenn man dann noch überlegt, dass Steve Jobs ein Heer von Erfindern und Technikern hatte und wie die Politik von Apple ist in Sachen Zensur und Abschottung, dann frage ich mich schon auch ein bisschen, wie man auf die verrückte Idee kommen kann, den Typen als eine Art Messias zu sehen. Er war eher ein verkäufer. Konsumwahn, spiegelt halt den Zeitgeist. Ich finds nicht verwerflich, wenn jemand darauf hinweist: Hey, ihr Konsumwütigen, es gibt auch noch Literatur, guckt doch mal lieber auf die Sachen, die nicht so beachtet werden.

  10. Als ich gestern Morgen die Twitter-Seite öffnete, wusste ich, dass es kein guter Tag im social media werden würde. Erinnerte mich alles ein wenig an die Hotlines für die trauernden Teenies, als sich Take That trennten. Der König des Computers war tot. Und wehe, man machte geschmacklose Witze oder erlaubte sich darauf hinzuweisen, dass die Leute, die da Krokodilstränen vergossen, sich einen Dreck darum scherten, dass eben dieser König einen nicht unerheblichen Teil seiner Untertanen nicht mal ein menschenwürdiges Existenzminimum zubilligte. Aber macht ja nix, dafür lädt man sich im AppStore schnell ein iGewissen runter.

    Und darum gehts hier eigentlich: Ums Gewissen. Apple gibt für viele einen Lifestyle vor und niemand personifizierte eine Firma mehr als Jobs. Viele identifizieren sich mit diesen Produkten, mit der Firma, mit Jobs. Das ist nichts rationales, sondern etwas religiöses. Es ist ein Glauben an den von Jobs selbst geschaffenen Mythos des „Saubermanns“, an dem man teilhaben möchte. Hab ich ein iPhone, bin ich auch ein wenig wie ER, ein bisschen Genie hat auch mich erleuchtet.

    Tja, da sind dann Leute, die das alles etwas kritischer sehen, die keinen Personenkult betreiben, die Ereignisse anders einordnen (manche sogar in bester journalistischer Manier) und ihnen eine Rang zuweisen, plözlich eine Bedrohung der eigenen Weltanschauung, eine Bedrohung des Selbstverständnisses an sich.

    Es ist dann nicht mehr möglich rational mit Kritik umzugehen – dieser Blogbeitrag beweist es einmal mehr. Die „Andern“ sind die Beleidigten, weil sie an der vermeintlichen Größe des Verblichenen nicht teilhaben wollen oder diese in „pietätloser“ Weise herabsetzen. Die sind ja misanthrop oder oder schlicht doof. Und dann schnell darauf verweisen, dass alle anderen ja auch keine Heiligen sind. Anschliessend gehen wir mit Nike-Turnschuh und iPhone zur ATTAC-Demo, das beruhigt das Gewissen. Nunja.

    Man stelle sich nur vor, eine der derzeit beliebten Hassfiguren des Netzes (Kauder, Merkel, Rösler oder sonst irgendeiner) hätte vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums das Zeitliche gesegnet. Ob ich dann auch so einen Beitrag hier lesen würde?

    „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ sagte mal Rosa Luxemburg. Scheint so, als wäre es in Vergessenheit geraten.

  11. Liebe Anousch,
    Dein „Dieses Gegeneinander-Aufwiegen führt doch nur zu Unglück“ möchte ich unterschreiben. Ich bin sehr radikal der Meinung, dass jeder Tod zu betrauern ist und Betrauertwerden genauso wenig verdient werden kann und muss wie Geliebtwerden. Im Übrigen denke ich, dass Empathie etwas Unteilbares ist und nicht begrenzt in ihrem Maß. Sie wird nicht kleiner, wenn ich sie umfassend streue und reicht für Fukushima, Knut, meine Kollegen, meine Kinder, meine Oma, Steve Jobs, Tomas Tranströmer … & 399 Twitterer.
    <3 Iris

  12. Das, meines Erachtens, einzig Tragische am Tod von Steve Jobs ist, dass er weder erkranken noch sterben hätte müssen. – Und dass das niemand sieht und erkennt.
    Selbst so reichen Menschen kann die Medizin nicht helfen!
    Dabei wäre es so einfach! Ein paar wenige Verhaltensregeln beachten und wir könnten lebenslang, d.h. ca. 120 Jahre, dauergesund genießen.
    Einerseits ein solches Genie, andererseits einfachste Lebensregeln nicht kennen! Das erscheint mir symptomatisch bzw. ist der wirkliche Wahnsinn unserer Zivilisation.
    In diesem Sinne:
    paradise your life! ;-)

  13. Anonymous says

    Ach ja: Was hat es übrigens mit „gegeneinander aufwiegen“ zu tun, wenn man sagt: Hey, es gibt auch noch andere wichtige Themen, die meiner Meinung nach keine solche Beachtungen finden? Ich mache das dauernd und finde es sehr wichtig, nicht gedankenlos mit allen anderen mitzulaufen.

  14. Warum darf man denn nicht einmal unkommentiert um einen Menschen trauern (und wem es wichtig ist, eben auch öffentlich)? Und wieso muss man die dem gestorbenen Menschen gewidmeten positiven Worte zum Abschied umgehend relativieren? Mag sein, dass Mr. Jobs weniger hätte in China produzieren lassen können bzw. zu besseren Bedingungen. Dies anzumerken hat es jedoch zu seinen Lebzeiten genügend Möglichkeiten gegeben. Sicher hätte derjenige, der hier bei den Kommentaren den Tod eines nahen Verwandten als Vergleich anführt auch nicht gewollt, dass der Trauerredner am Sarg kurz nach der Nachricht wer denn da bedauerlicherweise grad im Sarg liegt, darauf hinweist, dass diesem Verstorbenen etliche Vergehen vorzuwerfen sind, die man hier bei dieser schönen Gelegenheit mal alle vorbringen sollte. Ich denke, alles zu seiner Zeit und im richtigen Rahmen!

  15. @waver1970 Und warum darf man nicht anderer Meinung sein, sondern wird als „Beleidigter“ verunglimpft? Wir reden doch hier auch nicht über die Teilnahme an einer Beerdigung, sondern über einen öffentlichen Nachrichtenkanal auf dem JEDER seine Meinung kundtun kann und darf. Oder ist Twitter plötzlich ein exklusiver Kondolenzkanal in dem nur noch gewissen Leuten genehmes gepostet werden darf? Sobald wir anfangen Leuten vorzuschreiben, was sie zu denken, zu fühlen oder zu sagen haben, wars das mit dem freien Internet. Dann ist man auch nicht mehr weit von Herrn Kauder und seinen Vorstellungen von einem „geregeltem“ Netz.

  16. Philbee says

    Um kurz das Bild von der altersschwachen Oma im Heim, die man besuchen soll, und Anousch’s Antwort dass man das besser mit iPhone/iPad tun soll, aus persönlicher Perspektive etwas auszufüllen: meine Mutter ist vor etwa 3 Jahren mit ALS diagnostiziert worden. Seit etwa 2 Jahren hat sie jegliche Fähigkeit zu sprechen und zu essen verloren. Sie ist dieses Jahr, von uns begleitet, entschlafen.

    In dieser Zeit war das iPhone ihr treuester Begleiter, ihr Sprachrohr zur Welt.

    Als ihr Körper es nicht mehr zuliess, dass sie ihren iMac bedienen konnte, wurde dann ein iPad zum zweiten wichtigen Kommunikationsmittel. Weniger als eine Stunde vor ihrem Tod hat sie auf dem iPad die letzten E-Mails von Freunden aus der ganzen Welt noch beantwortet und sie getröstet.

    Ich bin Steve Jobs dankbar, dass das möglich war.

  17. Das „die Beleidigten“ im Titel bezieht sich auf all die Apfeljünger, die beleidigt sind, dass nicht alle Welt blindlings und voller Begeisterung (oder eben Trauer) an ihrem Kult teilnehmen möchten, nicht? Es liest sich jedenfalls so.. beleidigt.

  18. Perun says

    Fehlt nur noch ein Flattr Button auf der Seite!

  19. fvdb says

    Ich finde es verwerflich, unter welchen Umständen Apple und natürlich auch andere Firmen, ihre Produkte fertigen lassen.
    Darüber sollte auch das schönste Apple Design nicht hinweg täuschen.
    Bisher habe ich leider noch keine Quelle gefunden, aus der ersichtlich wurde, dass Herr Jobs sich zu diesem, bekannten Problem, geäußert hätte.
    Von einem wirklichen Richtungswechsel abgesehen, den ich mir immer von Apple gewünscht habe.
    Ich frage mich, wie es Spaß machen kann, auf ein Display zu schauen, dass unter menschenunwürdigen Bedingungen poliert worden ist?
    Menschen springen aus Verzweiflung von Dächern in den Freitod. In was für einer Lage müssen diese Menschen gewesen sein.
    An Appels Geschäftsstrategien kann ich leider auch nicht viel Ehrenwertes erkennen.
    Und alles mit einer Causa sui zu rechtfertigen, ist mir zu einfach.
    Steve Jobs Lebenslauf ist überaus bemerkenswert und übt auf mich eine gewisse Fazination aus. Sein Wille, seine Zielstrebigkeit und seine Talente sind außergewöhnlich.
    Aber was haben sie in der Welt bewirkt?
    Bewunderswert sind die Taten und Resultate in meinen Augen nicht.
    Wenn wir alle nur das machen würden, was wir lieben, sehe die Welt sicher noch schlechter aus.
    Vielen, sehr vielen anderen Menschen, kann ich weitaus mehr Bewunderung entgegen bringen.
    Erfolg, und die ihm entgegengebrachte Anerkennung, sollte danach bemessen werden,
    was zu seinem Erreichen aufgegeben wurde.
    Ich wünschte, wir würden aus der sich immer weiter ausbreitenden Konsumgesellschaft ein wenig aussteigen und schön designten Geräten hinterher zu jubeln.
    Unsere soziale Marktwirtschaft scheint aus den Fugen zu gerraten. Die Schere zwischen arm und reich geht in vielen Ländern der Erde immer weiter auseinander.
    Der Hunger in der dritten Welt nimmt zu, anstatt ab.
    Daran scheinen auch unsere Smartphones, Netbooks, Pornpads und Blogs nichts zu ändern.

  20. Warum wird Menschen, die Apple mögen immer zu vorgeworfen, dass sie Steve Jobs als eine Art „Messias“ oder „Heiligen“ sehen? Ich kenne niemanden, der Jobs verehrt hat. Weil jemand traurig über seinen Tod ist, muss er ihn nicht angebetet haben. Ich bin traurig, weil dieser Mann zweifellos enormes geleistet hat. Ich würde es nicht verstehen, wenn jemand weinend sein iPhone streichelt. Das tut die Mehrheit mit Sicherheit nicht. Wozu also die Aufregung? Die Vorwürfe, dass Leute, die Apple mögen, Jobs verehrt haben sollen, sind reine Provokation und haltlos.

    Nehmen wir als Vergleich mal den Tod von Micheal Jackson. Im Ernst, das hat mich kaum gejuckt. Natürlich war auch er ein grosser Mann, aber es liegt nun mal an der Natur der Dinge, dass wir alle sterben werden. Die Reaktionen jetzt im Vergleich zu den Reaktionen zu MJs Tod sind ein Witz. Aber auch die sollte man akzeptieren. Ob man sie gut oder schlecht findet, ist sekundär.

    Man kann keinem vorschreiben, wie er zu dem Ereignis stehen soll, sobald es aber, auf welcher Seite auch immer, beleidigend wird, hat der „Spass“ ein Ende. Warum sind wir Menschen so, dass wir uns über jeden Mist aufregen müssen und gleichzeitig andere Menschen angreifen?!

    Diese Diskussion wird, wie so viele andere zu genau diesem Thema, in spätestens zwei Wochen keinen mehr interessieren – bis zum nächsten Tod eines prominenten Menschen.

    Noch ein Satz zu China: Wer elektronische Geräte zu Hause hat unterstützt solche Machenschaften in Asien.

  21. swoge says

    Vielleicht „huldigen“ die Leute nicht dem CEO des Gitarrenherstellers, sondern dem Erfinder der für alle spielbaren Gitatrre. Wo(rauf) lief der erste Webserver?
    Und ich bete den Erfinder des Streichholzes an, und nicht alle die damit feurige Inhalte machen. Auch das Telefon bzw. Herr Bell geniessen meinen Respekt, oft im Gegensatz zu dessen Nutzern. Nebenbei, kein Inhalt ohne Hülle :-), also ich als Hüllenmacher verwere mich gegen diese Überheblichkeit der großartigen „Inhaltsnacher“.

  22. swoge says

    Das Rosa Luxemburg Zitat im Zusammenhang mit dem Blogeitrag hier finde ich schon heftig! Welche Freiheit wird Dir andersdenken denn genommen? Wohl Freiheit mit Meinung verwechselt, „bist du nicht meiner Meinung und widersprichst gar, dann willst du ja meine Freiheit einschränjen…“
    Noch nie in ohne diese Freigeit gelebt? Glück gehabt!

  23. swoge says

    Danke! Besser hätte ich es nicht sagen können!

  24. franz says

    sent from my fairtrade computer?

  25. Als im Februar 2003 das Space Shuttle Columbia in ca. 60 km Höhe zerbrach und die sieben Astronauten qualvoll bei lebendigem Leib verbrannten, musste ich – der die Raumfahrt als wichtiges Forschungsinstrument sieht – mir genau so doofe Sachen anhören – von Leuten, denen das Thema eher am Hintern vorbeigeht. Wahrscheinlich auch von Apple-Jüngern, die jetzt von mir verlangen, ihrem großen Held doch den nötigen Respekt entgegenzubringen.

    Es liegt nunmal am Wesen des Menschen, ihm unwichtige Dinge als Quatsch abzutun.

    Zurück zu Steve Jobs: In den Medien wird immer so getan, als hätte er das Smartphone, den Computer und das Fernsehen erfunden. Da steigen natürlich viele drauf ein und verwechseln „etwas erfinden“ mit „etwas Vorhandenes beliebt machen“.

    Jobs war für mich kein Held, sondern Geschäftsmann, der seinen Job verstand. Genau wie einige Banker (deren Tod wahrscheinlich auch negative Tönchen mit sich brächte). Vielleicht war er privat sogar ein Ekel und einige sind froh, ihn nicht mehr sehen zu müssen. Aber das wissen wir nicht, denn wir kennen ihn ja fast nur von seinen Keynotes. Und da wäre das unvorteilhaft.

    Ich wüsste ja echt gern, was losgewesen wäre, wenn z.B. Bill Gates gestorben wäre. Wahrscheinlich böse Kommentare von Apple-Fans. Denn Gates ist ja doof…

  26. Lola says

    Klingt ganz schön verbittert…

  27. Danke für eure Kommentare!

    Ich möchte mich abschließend noch zu zwei Hauptanwürfen äußern:

    1. Das Messias-Argument (@mars, @gregorkeuschnig, @Anonymus, @PeterHellinger): Hier verwechseln doch die meisten Anteilnahme mit Heiligenverehrung. Menschen, die nicht mehr in der Lage sind zwischen diesen beiden grundsätzlichen Emotionen zu unterscheiden, sind vermutlich die wahren Opfer des Medienhypes. Klar, mag der ein oder andere betend vorm Apple-Store niederknien. Zu denen gehöre aber weder ich, noch die Mehrheit der Menschheit. Auch denke ich, nach allem was man liest, dass Steve Jobs ein despotischer Egomane war – wie so viele große Künstler und Schöpfer. Das schmälert vielleicht die Sympathie mit dem Menschen, nicht aber seine Lebensleistung. Ich gehe da absolut mit @Zoki d’accord!

    2. Die Apple-Produktionsbedingungen (@fvdc) : Ja, die scheinen großteils erbärmlich. Wie bei nahezu jedem unserer Haushaltsgeräte, Klamotten, Spielzeuge, Lebensmittel. Das wenigste, das wir besitzen und konsumieren wurde in Behindertenwerkstätten gefertigt oder von Demeter angepflanzt. Das heißt nicht, dass man es hinnehmen soll, ganz im Gegenteil, man muss es immer und immer wieder anprangern und bekämpfen. Bei Lebensmitteln habe ich zum Glück inzwischen die Wahl zwischen gut und böse, aber bei Technik? Scheiß Thema! Was Jobs betrifft – dazu schöner Kommentar von @waver1970!

    Ach, @Raventhird: Für mich sind ‚Technikgurus‘ genauso bewundernswert wie andere Künstler.
    I LOVE NERDS!

    Noch was: @Lülü, @Iris, @Zimtapfel, @sincerelyjurs: Ohne das nächste Fass aufmachen zu wollen, so habe ich doch den Eindruck, dass wir Frauen zu etwas mehr gelassener Empathie fähig sind ;)

    Und: Danke für den wundervollen, wenn auch traurigen Kommentar von @Philbee. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

  28. Lastentraeger says

    Nur so ne Vermutung: Mochte Steve Jobs nicht Leute mit eigener Meinung mehr als solche, die blind wie Schafe hinter jemandem herlaufen? Ich glaube ja.

  29. Ich kann das grad nicht mehr so gut unterscheiden. War bei MJs Tod ein größerer Medienwirbel als bei dem Tod von Steve Jobs‘? Ich weiß es nicht.

  30. Vor allem: Wer will das schon?
    Steve Jobs war lange Zeit Frutarier und soll auch danach ziemlich gesund gelebt haben. Genützt hat es ihm nichts, oder vielleicht doch, immerhin hat er noch relativ lange gelebt angesichts dieser Diagnose.

  31. Danke für die tollen Worte! Ich verstehe beide Seiten nicht, zum einen diese wirklichen Fanatiker, die sich Jobs und den Apfel sogar tättowieren lassen, aber auch die Gegner nicht, die meinen sie sein cooler wie ein Eiswürfel wenn sie über Jobs und Apple Witze machen und herziehen und die Apple User in Grund und Boden beleidigen.
    Ich mag mich vielleicht ein paar Zentimeter zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich würde einen ziemlich hohen Betrag wetten, dass diese Leute minimum iTunes nutzen.

    Naja, was soll man machen… .

    Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, was Steve Jobs und Apple uns gegeben haben und in Zukunft auch noch geben werden. Ich mag MacBook, iPhone und iPad und weiß es zu schätzen.

  32. Haha, genial, Franz! :D

    Das verstehen die Menschen hier nicht, dass ALLE Produkte, die nicht Bio und/oder Fairtrade sind, jemandem (Mensch oder Tier) schlimmes Leid zufügen? Wie schmeckt der Senseo oder die Schokolade, deren Bohnen von kleinen Kindern mit pestizid-entzündeten Augen gepflückt wurden? Wie bequem ist der Pulli, den die 17-jährige dreifache Mutter in Bangladesh in 16-Stunden-Schicht genäht hat? Bei Wikipedia steht übrigens die Kunden-Liste Bon Foxconn, da ist so ziemlich jeder dabei. Wer hier ernsthaft meint, er könne in D normal leben und dabei Ausbeutung vermeiden, muss dringend aufwachen!

    Und übrigens: Meine Oma, die nicht mehr aufstehen uns sprechen kann, lächelt selig, wenn ich ihr auf dem iPad Bilder zeige :)

  33. Anonymous says

    Lieber Gregor, ich darf an dieser Stelle zugunsten unser aller Tränendrüsen sagen, dass ich mit Dir fühle und dass mein Vater vor knapp zehn Jahren ebenfalls sehr qualvoll an Krebs gestorben ist. Er wurde nicht einmal so alt wie Steve Jobs. Und zugegebenermassen hat es mich – auch wenn ich auf einem MacBook schreibe – irgendwie ziemlich befremdet, dass sich Fans am Donnerstag Abend «um 19.55 Uhr mit Kerzen und ihren Apple-Geräten» treffen und dem Mann gedenken wollten.

    Nichts von alledem befähigt oder berechtigt mich dazu, darüber zu urteilen, was sein Tod in anderen auslöst und wie sie darauf reagieren. Deine und meine Meinung sind unser gutes Recht, aber ich habe kein Verständnis für diese kollektive Verachtung, die in den letzten Tagen und auch sonst bei zahllosen Gelegenheiten versprüht wird. Wir schätzen den Fakt, dass jedermann seine Gedanken veröffentlichen kann und wir profitieren alle gerne davon. Warum können wir dann nicht einfach damit leben, wenn es andere auch tun?

    Anousch hat meines Erachtens alles nötige darüber hinaus gesagt. Die Verehrung darf uns hier und da albern, komisch oder auch unpassend erscheinen. Aber ich schrieb es vor kurzem schon sonstwo: Das gehässige und peinliche Nachtreten angesichts eines Todesfalls ist weder nützlich noch originell, sondern bestenfalls ein wenig geschmacklos.

  34. Ach Gott, man merkt, wie man alt wird! Warum hat der Tod von „Steve“ eigentlich so einen großen Aufruhr verbreitet? Wird „Apple“ jetzt untergehen und ist das Drama hier nur die Konfrontation der Generation Twitter mit dem Tod? Ich denke, man sollte „Steve“ einfach mal in Ruhe ruhn lassen.

  35. Anonymous says

    Ich will hier gar nicht näher drauf eingehen, was mir aber auffällt ist das von der Mehrheit eine Toleranz dafür gefordert wird, sich öffentlich zu seiner Trauer bekennen zu dürfen, auf der anderen Seite wird es aber den Kritikern verwehrt ihren Meinungen luft zu machen. Das wirkt doch schon äusserst paradox auf mich.

  36. Andreas says

    Du untertreibst wirklich sehr. Viele viele Menschen sind durch Steve Jobs Schaffen in den späten 70ern und danach in die Lage versetzt worden, mit Computern zu arbeiten. Viele halten Tag für Tag „ein Stück Steve Jobs“ in den Händen.
    Ich z.B. werde immer Sir Clive Sinclair verbunden sein, da meine Lebensgeschichte durch seinen ZX81 entscheidend beeinflusst wurde.

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